Lesedauer: 6 Minuten | Datum: 28. Dezember 2019

Die zehn erfolgreichsten Apps des Jahrzehnts

Lesedauer: 6 Minuten
Datum: 28. Dezember 2019

Die zehn erfolgreichsten Apps des Jahrzehnts

Erinnern Sie sich noch an das erste iPad? Am 27. Januar 2010 hat Steve Jobs es vorgestellt. Heute ist es in vielen Haushalten und im Beruf ein ständiger Begleiter, hat sich weiter entwickelt und ergänzt das Smartphone. Beide Endgeräte werden mit Apps betrieben. Kurz vor dem Sprung ins neue Jahrzehnt nutzen wir die Gelegenheit und schauen, bei welchen Apps wir besonders häufig den Download-Button gedrückt haben.

Der Siegeszug der Apps begann am Anfang der 2000er-Jahre. Apps wie beispielsweise Taschenrechner, Kalender und Spiele (Snake, Tetris) können allerdings in den Bereichen Qualität, Quantität und auch Komplexität nicht mit dem heutigen Appaufgebot mithalten. Dies liegt vor allem daran, dass Apple unter dem Visionär Steve Jobs und auch später Google mit Ende der 00er Jahre ihre jeweils eigenen Betriebssysteme (iOS/Android) und App Stores (App Store/Google Play Store) veröffentlichte.

Es waren allerdings nicht nur die beiden Tech-Giganten, die schnell dafür sorgten, dass die Nachfrage für Smartphones und die nützlichen und vielseiteigen Applikationen schnell immer größer wurde. Einerseits drängten immer mehr Smartphone-Hersteller wie z.B. Blackberry auf dem Markt, andererseits gab es gefühlt jede Woche eine neue App bzw. ein neues Spiel welches ins maßlose gehypt wurde (Flappy Bird, Instagram, Whatsapp z.B.).

Doch wir wollen uns nicht mit den Apps und Clients beschäftigen, die sich nicht etablieren konnten (Doodle Jump, Myspace, Napster), sondern fokussieren uns auf die, die kamen und blieben. Als Grundlage dienen hierzu die Daten des Tech-Analysten aus dem Silicon Valley, App Annie. Zu jeder App bzw. zu jedem Client erfolgen eine kurze Einführung und auch eine Revue, zur vergangenen Dekade. Hier die Top 10 der am meisten heruntergeladenen Apps in diesem Jahrzehnt:

Das im Jahre 2004 veröffentlichte Soziale Netzwerk war zwar, in Zeiten von Chatrooms und Foren, lange sehr einsam mit seiner neuartigen Oberfläche und seinem Fokus auf Studenten und junge Erwachsene, sollte aber schnell zum Pionier dafür werden, wie Soziale Netzwerke heute aufgebaut sind. Im August 2011 veröffentliche Facebook gleichzeitig zum ersten Mal eine Appversion für Android und iOS. Facebook ist die App mit den meisten Downloads! Von den ca. zwei Milliarden Niutzern, die Facebook auf ihrem Smartphone nutzen, haben mehr als 80% die App runtergeladen. Die restlichen 20 Prozent nutzen den Umweg über den Browser. Für das Finanzjahr 2018 konnte Facebook einen Umsatz von mehr als 66 Milliarden US-Dollar verbuchen.

Auf Platz zwei folgt dann direkt die nächste App von Mark Zuckerberg’s Facebook. Inc. Der Facebook Messenger. 2008 noch unter dem Namen „Chat“ veröffentlicht und von den meisten Nutzern gemieden ist die Facebook Messenger App heute eine der Apps mit den meisten Downloads. Diese Entwicklung ist kein Zufall. Denn 2014 entfernte Facebook die Möglichkeit in der Standardapp persönliche Nachrichten lesen und beantworten zu können. Durch diese strikte Trennung erfuhr auch der Facebook Messenger –gezwungenermaßen- mehr Aufmerksamkeit.

Heute einfach von keinem Smartphone mehr wegzudenken. Einer der Gründe dafür, warum die guten alte SMS und auch MMS (hat die wirklich mal jemand verschickt?) praktisch kaum noch genutzt werden. Die App wurde 2008 von früheren Yahoo!-Mitarbeitern entwickelt. Nachdem sie das Unternehmen verließen gönnten sich Jan Koum und seine Kollegen eine Kreativpause. Sie verschickten zwar einige Bewerbungen (unter anderem an Facebook), wurden aber abgelehnt. Also dachten sie sich, es wäre an der Zeit, ihr eigenes Ding zu machen. Dabei herausgekommen ist eine der ikonischsten Apps aller Zeiten.

Im Februar 2014 machte Mark Zuckerberg dem Team von WhatsApp allerdings ein Angebot, welches es nicht ablehnen konnte. WhatsApp wurde für fast 20 Milliarden US-Dollar von Facebook aufgekauft – man sieht sich halt doch immer zwei Mal im Leben. Da seit dem Kauf WhatsApp komplett kostenlos ist, gibt es auch keinen wirklichen Umsatz. Es gibt zwar Pläne womöglich auf Werbung oder Kooperation mit Unternehmen (WhatsApp Kundenservice zum Beispiel) zu setzen, aber umgesetzt wurde noch nichts.

Das Netzwerk, das sich vor allem bei der U30-Generation immer größerer Beliebtheit erfreut ging 2011 online. Keine drei Jahre später folgte der Durchbruch. Instagram ist in Deutschland auch 2019 das Netzwerk, das in Sachen Nutzerzahlen am schnellsten wächst. Die Tatsache, dass Instagram auch bei Menschen in den Altersgruppen 40+ immer öfter heruntergeladen wird, dürfte wohl sicherstellen, dass der Hype nicht so schnell einbricht. Einer der Gründe dafür, dass Experten erwarten, dass der Umsatz sich in 2019 im Vergleich zum Vorjahr (7 Millionen US-Dollar) verdoppeln soll.

Mittlerweile hat Instagram Snapchat den Rang abgelaufen. Snapchats Finanzquartale waren zwar immer sehr wechselhaft, doch die letzten drei konnte es sich einigermaßen stabilisieren und stetig mehr Umsätze (1,1 Milliarden US-Dollar, 2018) vorweisen. Das Problem bei Snapchat ist nicht der Umsatz, sondern die Nutzerzahlen. Die liegen zwar bei knapp 180 Millionen, die Tendenz ist allerdings leicht am Fallen da viele junge Menschen sich eher zu Instagram hingezogen fühlen. Denn das was die IM-App für Bilder jahrelang exklusiv hatte und stark gemacht hatte waren die sogenannten Storys. Mark Zuckerberg wollte mit Facebook Snapchat schlucken. Zwei Mal! Einmal als das Startup Snap noch keine wirkliche Größe war (kolportiertes Angebot lag bei 60 Millionen US-Dollar) und als sie etabliert waren. Da wollte Zuckerberg kein Risiko eingehen und bot 4 Milliarden Dollar. Wieder abgelehnt. Das und weitere Provokationen von Snaps CEO, Evan Spiegel, ließ sich Mark Zuckerberg natürlich nicht einfach so gefallen. Wenige Monate vor dem geplanten Börsenstart von Snap veröffentlichte Instagram (das mittlerweile von Facebook geschluckt wurde) eine eigene Variante von Storys, dem Kernfeature von Snapchat. Die „Notwendigkeit“ von Snapchat war also nicht mehr da. Es wird spannend, ob sich Snapchat davon erholen kann oder am Ende der nächsten Dekade bei den Top 10-Apps keine Rolle mehr spielt.

Der Telefonie-Client Skype wurde 2003 veröffentlicht. Schon sehr früh erfolgreich und nahezu konkurrenzlos hat das Programm eine durchaus interessante Geschichte erlebt. 2005 von eBay aufgekauft, welches wiederum 2009 an die Silver Lake Group verkaufte (hat u.a. Beteiligungen an Alibaba, Dell, Seagate und sogar Flixbus) und diese verkauften Skype 2010 dann an Microsoft. Trotz dieser Wechsel konnte Skype immer eine Führungsrolle auf dem Markt beibehalten und war was neuartige Produktfeatures wie Videotelefonie, Gruppenkonferenzen und auch Bildschirmübertragungen angeht immer eines der ersten Unternehmen die eine funktionierende Lösung anzubieten wusste. Diese Features waren allerdings nicht auf die freie Wirtschaft beschränkt, sondern auch früh und oft sogar kostenlos für private Endverbraucher nutzbar. Mit dem Kauf von Skype durch Microsoft wurde auch das Ende vom Instant Messenger MSN besiegelt (die Älteren werden sich erinnern). Im Jahr 2018 konnte Skype einen Umsatz von knapp 2 Milliarden verbuchen und hat heute fast 1,5 Milliarden Nutzer. Die erste Appversion für iOS veröffentlichte Skype im März 2011.

Das Netzwerk ist gerade mal drei Jahre alt und dennoch findet es sich in dieser Liste. Das zeigt wie gigantisch das quantitative Potential der App vom chinesischen Startup ByteDance ist. 2016 wurde die App für Kurzvideos in China unter dem Namen Douyin veröffentlicht. Im Frühjahr 2017 folgte dann der Rest der Welt. Zwar konnte die App schnell wachsen, doch zunächst nur in China. 2018 fusionierten die beiden Apps Douyin/Tik Tok und musical.ly (wurde für ca. 1 Milliarde US-Dollar aufgekauft). Musial.ly war zu der Zeit auf dem Westlichen Markt für solchen Content deutlich beliebter doch mit TikTok gelang dann der endgültige Durchbruch. Alleine bis Oktober 2018 wurde die App 108 Millionen Mal heruntergeladen. ByteDance konnte für das Jahr 2017 einen Umsatz von knapp 2,5 Milliarden US-Dollar verbuchen. 2018 waren es mehr als 7 Milliarden. Mitte 2018 hatte die App mehr als 500 Millionen aktive User. Mittlerweile dürften es deutlich mehr sein. Es dürfte keine App geben, die jemals so rasant gewachsen ist.

Ist ein ganz normaler Browser der zum Chinesischen Gigangen Alibaba gehört. Da der UC Browser vor allem in China (1,3 Milliarden Menschen) genutzt wird, ist es auch nicht wirklich verwunderlich, dass er in dieser Liste auftaucht.

Die wohl bekannteste Videoplattform der Welt. 2005 ins Leben gerufen und heute nicht mehr wegzudenken. YouTube mit seinen simplen Uploadmöglichkeiten und dem viralen Charakter hat gewissermaßen den Weg geebnet für alle sozialen Netzwerke und Memes wie wir sie heute kennen. Da YouTube damals noch völlig neuartig und auch früh schon sehr vielversprechend war, kaufte Google die Videoplattform im Spätherbst 2006 für 2 Milliarden US-Dollar. Apple erwarb schon früher eine Lizenz für den Zugriff auf YouTube und hatte bis 2012 eine eigene YouTube-App. Dieses Unterfangen wurde jedoch aufgegeben als Google die offizielle YouTube App in Apples App Store anbot.

Der Kurznachrichtendienst machte sich gar nicht erst die Mühe eine eigene App zu entwickeln. 2006 gegründet, kaufte man 2010 einfach die Independent App „Tweetie“ vom Entwickler Atebits. Warum auch selber etwas Neues entwickeln, wenn schon etwas existiert, das wunderbar funktioniert? Twitter hat mittlerweile mehr als 330 Millionen Nutzer und einen Umsatz von knapp jährlich knapp 3 Milliarden.

Nun kommen wir zu den umsatzstärksten Apps. Während im ersten Teil noch die sozialen Netzwerke allen anderen Sparten den Rang abgelaufen haben, zeigen die zehn umsatzstärksten Apps, wie sich unser Verhalten und Alltag in den vergangenen Jahren verändert hat. Vom Streamingdienst Netflix über die Dating-App Tinder: Es gibt kaum ein Lebensbereich, für den es keinen digitalen Begleiter gibt.

Der Video-on-Demand-Streaminganbieter ist schon längst integraler Bestandteil unseres Lifestyles geworden. Netflix  hat mit seinen exklusiven Serien und „eigener“ Serienmechanik (Staffeln haben weniger Serien und eignen sich besser fürs „Bingen“) für große Popularität gesorgt. Das Unternehmen Netflix Inc. welches, 1997 als  Online-Videothek gegründet wurde, machte sich in den USA schnell einen Namen und ging 2007 dann mit dem eigenen Videodienst online. Geprägt hat es nicht nur seine Nutzer, sondern auch den kompletten Videomarkt. Selbst Branchenriesen wie HBO (dazu später mehr) oder auch der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk hier in Deutschland musste einsehen, dass Konsumenten ihre Inhalte immer weniger zu festgelegten Zeiten konsumieren wollten. Netflix ist Sinnbild dieser Entwicklung: digital, keine Werbung, Downloads für den Offline-Konsum und natürlich mobiles schauen wann und wo man möchte. Denn Netflix ist nicht nur für Smartphones und Tablets verfügbar. Netflix hat verstanden, dass wenn sie ihren Dienst wirklich für jeden verfügbar machen will, dieser auch für jeden verfügbar sein soll. Egal wie veraltet das Betriebsystem ist oder wie alt das Gerät ist. Und entscheidend: egal was für ein Gerät es ist. PC, Notebook, Smartphone, Tablet, Smart TV, Smart TV Stick, Smart TV Box, Playstation 4, Playstation 3, Xbox One, Xbox 360, Nintendo Switch, Nintendo Wii U, Nintendo Wii, Nintendo 3DS oder sogar auf der Playstation Vita! Hat das Gerät Internet, kann es auch Netflix. Ganz einfach. Diese Einfachheit ist in Nutzungsmöglichkeiten und Client-Qualität benutzen 158 Millionen Abonnenten weltweit mit fast 16 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr 2018.

Die wohl kultigste Dating-App wurde 2012 mit einem sehr einfachen Prinzip veröffentlicht. Ihnen werden die Tinder-User angezeigt, die sich in ihrer Nähe aufhalten. Swipen Sie nach rechts, wenn Ihnen das angezeigte Profil gefällt, nach links wenn Sie die Suche fortsetzen wollen. Wenn Ihnen ein User gefällt, und dieser User wiederum auch Gefallen an Ihnen findet haben Sie ein Match. Auf diese Weise sind schon unendlich viele Paare gefunden und leben glücklich bis an ihr Lebensende. Nein, kleiner Scherz. Nichtdestotrotz ist die App sehr „erfolgreich“ mit mehr als 5 Millionen zahlenden Kunden. Die App ist eigentlich kostenlos aber mit den unterschiedlichen Abomodellen haben Nutzer Zugriff auf mehr Features. Unter anderem können sie am Tag unbegrenzt swipen (ansonsten ist dies am Tag maximal 12 mal möglich). Insgesamt hat Tinder mehr als 50 Millionen Nutzer. Selbst mit Tinder Premium bräuchte man also sehr lange um alle einmal durchgeswipt zu haben.

Sie haben noch nie von diesem Client gehört? Kein Wunder, der Musikstreamingdienst ist außerhalb von Nordamerika auch gar nicht nutzbar. Lange Zeit Branchenprimus (2000 Unternehmensgründung) setzte der Satellitenradiosender Sirius XM mit seinem Streamingservice Pandora auf eine andere Methode als es heute Deezer oder Spotify machen. Ähnlich wie schon bei Tinder setzen Nutzer auf Matches. Auf Musik-Matches. Man kriegt zunächst einige Songs vorgeschlagen, je nachdem ob sie einem Gefallen oder nicht entscheidet man sich dafür sie weiterzuhören oder nicht. Basierend auf den Nutzerangaben stellt der Algorithmus immer wieder eine neue Playlist zusammen. In einer Stunde kann man allerdings maximal sechs Mal einen Song überspringen und man kann nicht frei wählen, welches Lied man sich anhört. Pandora Music konnte sich zwar, was die Nutzerzahlen betrifft, einigermaßen stabilisieren, aber Spotify zieht mittlerweile einsame Kreise am Musikstreaming-Olymp. Der Hauptgrund dafür, warum Pandora Music in dieser Auflistung noch dabei ist, ist dass sie vor allem in den USA immer schon sehr etabliert waren, wohingegen Spotify sich erst Mitte des Jahrzehnts auf Augenhöhe mit Pandora befand.

Die chinesische Videoplattform die zum riesenkonzerngeflecht Tencent gehört, lockt durchschnittlich 900 Millionen Nutzer pro Monat vor die Bildschirme und hat ca. 90 Millionen zahlende Abonnenten. Von Beginn an (2011) mit App, ist Tencent Video mit seinen Eigenproduktionen heute einer der größten Produzenten für Filme, Serien und Dokus in China. Im Oktober 2017 konnte Tencent zum ersten Mal vermelden, dass es die Marke von 10 Milliarden US-Dollar Umsatz geknackt hatte.

Das erste Mal, dass wir in dieser Liste ein Unternehmen bzw. ein Produkt vorstellen können, welches nicht aus China oder den USA kommt. Line ist ein Instant Messaging Dienst aus Südkorea vom Entwickler der gleichnamigen Suchmaschine NaverCorp. Sagt ihnen nichts? Muss es auch nicht. Den NaverCorp fokussiert sich vor allem auf den fernöstlichen Markt und erfreut sich vor allem in Japan großer Beliebtheit. Denn nach einem schweren Erdbeben in 2011 hatte die japanische Bevölkerung schwer mit dem instabilen Telefonnetz zu kämpfen. NaverCorp konnte dies mit der zeitnahen Veröffentlichung ihrer App „Line“ für sich nutzen und die Marktmacht bis heute halten. Weltweit nutzen Line über 200 Millionen Menschen. Line generierte 2018 einen Umsatz von fast 2 Milliarden. Jetzt fragen sie sich womöglich, wie es sein kann, dass eine einfache IM-App auf solch eine stolze Summe kommt. Das liegt daran, dass LINE keine einfache IM-App ist. Denn LINE bietet mittlerweile unterschiedliche Services an. Mit LINE kann man sich Essen bestellen, ein Taxi bestellen oder auch Mangas lesen. Der Kommunikationsdienst ist zu einem kleinen Serviceallrounder geworden. Nimm das WhatsApp!

Oft als das „Netflix Chinas“ bezeichnet wächst der 2010 gestartet Streamingservice stetig weiter und konnte 2018 fast 15 Milliarden US-Dollar Umsatz verbuchen. Jedoch gibt sich die Streaming Plattform von Baidu (Chinesische Suchmaschine, etwa 15 Milliarden US-Doller Umsatz) nicht mehr damit zufrieden, „nur“ Videoplattform zu sein. Das Unternehmen kauft mittlerweile digitale StartUps und Entwickler (beispielsweise von Mobile Games) aller Couleur auf, um zu wachsen und als Universalanbieter verstanden zu werden. Ob das funktioniert und wegweisend sein kann für Unternehmen wie Netflix, wird sich zeigen.

Wurde zwar schon erwähnt aber um den mittlerweile 250 Millionen Usern ingesamt und 113 Millionen (ärgster Konkurrent Apple Music hat „nur“ 60 Millionen zahlende Abonnenten!) zahlenden Kunden gerecht zu werden, kriegt das Schwedische Unternehmen mit Sitz in Luxemburg auch einen Eintrag. Spotify das lange trotz der Möglichkeit des kostenlosen und legalen Musikstreamings wenig Aufmerksamkeit von der breiten Masse erhielt, sollte ab Anfang der Dekade vor allem dank der Facebook Community einen Hype erfahren der bis heute anhält. Obwohl Spotify für das Geschäftsjahr 2018 einen Umsatz von knapp 5 Milliarden US-Dollar verbuchen konnte, war es das erste Jahr, in dem sie auch tatsächlich Gewinn mit ihrem Dienst machten.

Zur (App-)Geschichte schrieben wir ja schon einiges. Aber wie sieht es zahlentechnisch bei der Tochter von Google aus? Natürlich profitiert Google davon, dass es mit Android das Betriebssystem mit den meisten mobilen Endgeräten entwickelt. Das nutzen sie auch clever aus, denn auf den meisten Geräten ist YouTube schon vorinstalliert und so können sie stolz behaupten, dass YouTube auf mehr als 5 Milliarden (!) Geräten installiert ist. Zwar gibt es mit YouTube Premium auch ein Abomobell (keine Werbung, YouTube Music inklusive etc.), allerdings scheint dieses nicht den erhofften Anklang zu finden. Mit 2 Milliarden Nutzern im Monat ist YouTube fast schon konkurrenzlos, doch wenn man sich den Umsatz anschaut, schätzungsweise zwischen 16 und 25 Milliarden im Jahr, wundert man sich schon etwas. Womöglich auch einer der Gründe warum YouTube bzw. Google keine Umsatzzahlen veröffentlichen.

Und nun kommen wir zu seinem (App-)Service der maßgeblich von Netflix geprägt wurde. Lange Zeit wurde Netflix von der Filmindustrie nur belächelt. Egal ob, Disney Warner Bros oder 20th Century Fox. Sie alle waren Netflix zwar dankbar für das trockenlegen des Pirateriesumpfs und folglich für höhere Einnahmen, aber als tatsächliches Wettbewerber wollten sie die Streamingplattform nicht wahrnehmen. Doch mit der Zeit, und vor allem mit dem rasanten Wachstum kam auch irgendwann die Einsicht. Das was Netflix macht, ist das was der Konsument will. Und das Prinzip ist simpel, Inhalte online für einen kleinen Obulus anbieten, ohne dass noch weitere Dienste gebraucht werden.

Deswegen raffte sich auch der Premiumsender HBO (The Wire, The Sopranos, True Detective) 2015 dazu auf, mit HBO Now einen eigenen Streamingservice zu veröffentlichen. Dieser war die ersten drei Monate allerdings exklusiv für PC und iOS Geräte. Ansonsten startete der Dienst gerade wegen seiner beliebten und inhaltlich hochwertigen Inhalte voll durch. Und dass zumindest in den USA alle 7  Staffeln Game of Thrones exklusiv dort veröffentlicht wurden, schadete sicher auch nicht. 166 Millionen US-Dollar Umsatz und knapp 8 Millionen Abonnenten wird der Service eher nicht halten können, da das Zugpferd der letzten Jahren, Game of Thrones, nach 7 Staffeln seine letzte Wache beendet hat.

Zu guter Letzt dann noch eine App aus dem Reich der Mitte. Kuaishou, hierzulande, Kwai ist eine App die es normalen Nutzern ermöglicht, einfach Videos zu bearbeiten, zu schneiden und sie dann im sozialen Netzwerk hochzuladen. Kwai Rivale ist TikTok. Ursprünglich mal als Plattform für GIFs gestartet laden heute Nutzer Kurzvideos aus ihrem Alltag hoch. Insgesamt konnte die App 2018 vier Milliarden US-Dollar Umsatz mit seinen 200 Millionen (!) täglich aktiven Nutzern verbuchen. Die App ist vor allem außerhalb der Metropolen sehr beliebt. Wohingegen Tik Tok gerade in den Metropolregionen stark ist. Urban vs. Rural mal anders.

Das waren sie. Die Tops der Dekade. Sehr schnelle und turbulente Jahre für die Techbranche. Viele Hypes aber auch viele Abstürze konnten wir beobachten. Es wird spannend sein zu sehen, welche Apps und Clients sich in der nächsten Dekade auf die Bühne wagen, sich etablieren können oder aber auch das Zeitliche segnen werden. Dieser Auswertung zugrunde gelegt wurden die Daten des App-Analyse-Unternehmens „App Annie“.

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